Aktuelles
Tagung 13. - 14. Juni 2026
Jüdische und sowjetische Kriegsgefangene des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg
Die Gedenkstätte Henri-Goldstein-Haus erinnert an zwei Arbeitskommandos, die während des Zweiten Weltkrieges im Quickborner Himmelmoor existierten. Bei den Kriegsgefangenen, die dort Torf stechen mussten, handelte es sich einerseits um Soldaten der Roten Armee, andererseits um Juden, die der französischen Armee angehörten. Mindestens 15 von bis zu hundert sowjetischen Kriegsgefangenen starben binnen eines Jahres in Quickborn. Im Gegensatz dazu überlebten – paradoxer Weise – alle etwa fünfzig jüdischen Kriegsgefangenen den Arbeitseinsatz im Himmelmoor.
Dieses lokale Beispiel ist Anlass und Ausgangspunkt, um die von Gegensätzen geprägte Behandlung der beiden Gruppen in den Blick zu nehmen. Darüber hinaus wendet sich die – mit Forscherinnen und Forschern aus Frankreich, Großbritannien, Polen, den USA und Deutschland besetzte – Tagung auch jüdischen Kriegsgefangenen aus anderen Herkunftsländern zu.
Während die Wehrmacht den sowjetischen Kriegsgefangenen eine menschenwürdige Behandlung generell und völkerrechtswidrig verweigerte, hing das Schicksal der jüdischen Kriegsgefangenen davon ab, in welcher Armee sie gekämpft hatten.
Jüdische Soldaten der Roten Armee sollten gar nicht erst gefangen genommen, sondern noch in Frontnähe ermordet werden. Juden, die der polnischen Armee angehört hatten, wurden vielfach in der Shoah ermordet. Hingegen bewahrte der Status als Kriegsgefangener Tausende Juden aus Frankreich vor der Deportation in die Vernichtungslager. In der Regel überlebten auch die US-amerikanischen und britischen sowie die jugoslawischen Juden, die sich als Kriegsgefangene in deutscher Hand befanden, den Holocaust.
Die Vortragenden fragen nach den politischen und ideologischen Hintergründen für die unterschiedliche Behandlung der Kriegsgefangenen, richten den Blick aber auch auf ihr Erleben und ihre Erinnerungen. Neue Forschungsergebnisse zu einzelnen Lagern und Arbeitskommandos sowie zu Grabstätten Kriegsgefangener, insbesondere in Norddeutschland, werden vorgestellt.
Ein öffentlicher Abendvortrag über die Arbeit von Kriegs- und Strafgefangenen im Quickborner Himmelmoor sowie ein Besuch der Gedenkstätte Henri-Goldstein-Haus runden das Programm ab.
Die Tagung findet in deutscher und englischer Sprache statt und richtet sich an Interessierte aus Forschung, Bildung und Öffentlichkeit.
Veranstalter:
Träger- und Förderverein Henri-Goldstein-Haus Quickborn e.V., Dr. Janine Doerry, Dr. Karsten Wilke, Amelie Berking M.A.
Veranstaltungsort: Comenius-Schule-Quickborn, Am Freibad 3-11, 25451 Quickborn
Datum: 13. – 14. Juni 2026
Anmeldung:
Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung bitte bis 31. Mai 2026 an: tagung@henri-goldstein-haus.de
Übernachtungsmöglichkeit:
Hotel Quickborn, https://www.hotel-quickborn.com, Tel: 04106/618580, e-mail: reservierung@hotel-quickborn.com (Selbstbuchung)
Das Tagungsprogramm finden Sie hier:
Vortrag zum 08. Mai - Jahrestag des Kriegsendes des Zweiten Weltkriegs
Der 8. Mai 1945 als Datum der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht markiert das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Gleichzeitig steht er für die Überwindung der NS-Diktatur und ihrer Verbrechen. So widersprüchlich die historischen Erfahrungen auch waren: Zusammenbruch, totale militärische Niederlage, Befreiung der überlebenden Verfolgten aus Konzentrationslagern und Gefängnissen, Katastrophe und „Stunde Null“ – der 8. Mai 1945 ist ein epochaler Einschnitt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts und nicht zuletzt die Bedingung der Möglichkeit für eine humane und demokratische Neuorientierung nach den Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft. Nach intensiven Kontroversen ab Mitte der 1980er Jahre wird der 8. Mai 1945 heute zunehmend als „Tag der Befreiung“ gedeutet.
Wir als Träger- und Förderverein Henri-Goldstein-Haus Quickborn e.V. Wollen in diesem Jahr an diesen bedeutenden Tag erinnern und bieten dazu folgende Veranstaltung an:
"Das Mahnmal - Gegen das Vergessen"
Vortrag über das Mahnmal von Fritz Höger in Itzehoe von Michael Legband, Journalist
Das Bauwerk wurde initiiert von dem später legendären Film- und Fernsehproduzenten Prof. Gyula Trebitsch (Des Teufels General, Hauptmann von Köpenick, Begründer Studio Hamburg, Die Bertinis, Diese Drombuschs u.v.m.). Der ungarische Jude war am 2. Mai 1945 im KZ Wöbbelin bei Ludwigslust befreit worden und kam mit einem britischen Sanitätstransport nach Itzehoe ins Krankenhaus. Hier entstand der Gedanke ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus zu erschaffen, das gleichzeitig mahnen sollte, damit sich derartiges nicht wiederhole. Als Baumeister fungierte der in den Nationalsozialismus verstrickte Johann Friedrich "Fitz" Höger (u.a. Chilehaus, HH.) Das Mahnmal steht für frühes jüdisches Leben in Deutschland nach 1945.
Michael Legband ist mit seinen Vorträgen zur bewegenden wie bewegten Geschichte des Itzehoer Mahnmals bundesweit als Vortragsredner gefragt. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „Das Mahnmal – 75 Jahre gegen das Vergessen“ (Verlag Dr. Ludwig). Es dokumentiert u.a. hundert Veranstaltungen, die an dem Mahnmal stattfanden.
Der Vortrag findet am 08. Mai 2026 um 17:00 Uhr im Henri-Goldstein-Haus
in der Himmelmoorstrasse 6 in Quickborn statt.
Der Eintritt ist kostenlos, es ist keine Anmeldung erforderlich.
Bitte beachten Sie, dass das Goldstein-Haus NICHT geheizt ist. Ggf. ist eine warme Kleidung erforderlich.
Sonntagsöffnungen im Henri-Goldstein-Haus
jeden 1. und 3. Sonntag in den Monaten April bis Oktober jeweils von 13 - 17 Uhr
Für alle, die das Himmelmoor besuchen, dort spazieren gehen, eine Tour mit der Torfbahn machen oder sich im Henri-Goldstein-Haus über die Geschichte der Zwangsarbeit im Himmelmoor informieren möchten.
Spende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Stand der Renovierung
Am 26. Feb. 2026 hat uns Herr Wolfgang Grandinger von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz einen Scheck in Höhe von 19.270 € überreicht. Mit diesem Geld können wir die Sanierung des Gebäudes weiter vorantreiben. Es ist dazu bestimmt, die Wände des Waschraumes zu fräsen und farblich in ihren Ursprungszustand zu bringen. Das gleiche gilt für die Toiletten, die Türen und die Giebelwand. Auch sollen die Decke im Aufseherraum ausgebessert werden, sowie neue elektrische Leitungen eingebaut werden.
Mit den Arbeiten wurde schon begonnen, wir werden weiter darüber berichten..

12 Roll-Ups für unsere Besucher und Besucherinnen
Zur Zeit arbeiten wir an der Entwicklung von 12 sogenannten Roll-Ups (Info-Aufstellern), damit sich die Besucher und Besucherinnen unabhängig von Mitgliedern des Trägervereins in den Räumen des Henri-Goldstein-Hauses eigenständig zurechtfinden können. Natürlich stehen wir während der Öffnungszeiten für Fragen zum Detail zur Verfügung.
Workshop mit Dataport Kultur
Wir haben ein Förderangebot der LAGSH, der Landesarbeits-gemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein e.V. aufgegriffen, um unser digitales Angebot zu erweitern und die Entwicklung unserer Gedenkstätte voranzutreiben.

Die LAGSH hatte im letzten Jahr mehr als 100.000 Euro von der Landesbibliothek erhalten, um den digitalen Wandel in den Gedenkstätten zu fördern. Grundlage war ihre 2024 in Zusammenarbeit mit der BGSH, der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten, und dem Dataport Kultur.Kompetenzzentrum erarbeitete "Digital-analoge Strategie". Dataport ist der Informations- und Kommunikationsdienstleister des Landes Schleswig-Holstein und deren Kultur.Kompetenzzentrum hat schon die Stolperstein-App entwickelt.
Zunächst haben wir am 14. Nov. 2025, einem total verregneten Tag, von einem Dataport-Mitarbeiter einen Virtuellen Rundgang (digitalen) durch unser Henri-Goldstein-Haus aufzeichnen lassen. Diesen können Sie auf der Startseite aufrufen. Er ermöglicht nun auch denjenigen, die die Gedenkstätte nicht vor Ort in Augenschein nehmen können, sich einen Eindruck von ihr zu verschaffen. Dabei ist den Markierungen auf dem Boden und beim Heraustreten dieser am gegenüberliegenden Haus, der Schmiede, zu folgen.
Dataport unterstützte uns auch, um unseren Webauftritt nun wahlweise in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch ansehen zu können.
In einem eineinhalbtägigen Workshop hat der Vorstand des Henri-Goldstein-Hauses gemeinsam mit dem äußerst kompetenten Dataport Kultur-Team Krause eine analog-digitale Strategie für den Verein entwickelt, sowie die langfristigen Ziele und die wesentlichen Umsetzungsschritte dazu erarbeitet.
Zum Vormerken:
- 13.09.2026 Tag des offenen Denkmals (auch im Himmelmoor)
- 14.11.2026 Theaterstück "Stunde Null" von Axensprung im Artur-Grenz-Saal
(https://www.axensprung-theater.de/termine)
Liste vergangener Beiträge und Veranstaltungen
2025
- 08.11.2025 Konzert zum 9. November: Grenzgänger-Projekt
- 10.06.2025 Gedenkstättenfahrt Elsenseegymnasium nach Auschwitz
- 08.05.2025 80. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkrieges
- 04.05.2025 Neu: Sonntagsöffnungen im Henri-Goldstein-Haus
- 06.03.2025 Große Ehre für Jens-Olaf Nuckel
- 10.01.2025 Ausstellung Sammlung Shaul Ladany im DGB
2024
- 09.11.2024 Theater Axensprung im Artur-Grenz-Saal
- 08.09.2024 Tag des offenen Denkmals
- 17.05.2024 Jahreshauptversammlung Henri-Goldstein-Haus
- 08.05.2024 Filmvorführung im Artur-Grenz-Saal
- 27.04.2024 Mitgliederversammlung der LAGSH in Quickborn
- 02.04.2024 Zuwendungsbescheid vom Bund über 130.000 € erhalten
- 26.03.2024 Teilnahme am Aktionstag "Schule ohne Rassismus"
- 02.03.2024 Aufbau eines Archivs im neuen Büro
- 01.03.2024 Wir haben jetzt ein Büro
2023
- 11.11.2023 Konzert zum 9. November Dragseth-Trio "Better times will come"
- 10.09.2023 Einweihung des neuen Vorplatzes am Tag des offenen Denkmals
- 22.08.2023 Historikertreffen mit Austausch von Forschungsergebnissen
- 23.07.2023 Gottesdienst im Henri-Goldstein-Haus
- 27.01.2023 Lichter gegen Dunkelheit mit Lesung von Häftlingsbiografien
2022
- 12.11.2022 Kol nidri - Gegen das Vergessen II
- 06.06.2022 Konzert Ensemble Acht - Die Glieder der Kette
- 25.03.2022 Übergabe Zuwendungsbescheid - Start als offizielle Gedenkstätte
- 27.01.2022 Lichter gegen Dunkelheit
2021
- 07.11.2021 Tag der Offenen Tür im Himmelmoor und im Henri-Goldstein-Haus
- 28.08.2021 Konzert Jüdische Komponisten - zu neuem Leben erweckt
- 18.07.2021 Besuch Vertreter anderer Gedenkstätten im Henri-Goldstein-Haus
- 20.06.2021 Gedenkfeier für die getöteten russischen Kriegsgefangenen auf dem Nordfriedhof
früher
- 27.01.2020 Lichter gegen Dunkelheit
- 09.11.2019 Konzert Dotschy Reinhardt und Band - Musik der Sinti und Roma
- 03.11.2018 Konzert Die Grenzgänger - Jazz Blues Chansons -
- 03.11.2017 Konzert Anna Haentjens - "Heimat im Gepäck"
- 05.11.2016 Konzert Familie Lachmann - Klezmermusik
- 07.11.2015 Konzert Esther Bejarano und Band
- 08.112014 Konzert Rolf Becker und Kai Degenhardt - Gegen den rechten Aufmarsch in Europa
